Samstag, 17. April 2021

Der winterharte Gärtner im April

 

 


 

 Nicht wenige Gärtner werden in einem April wie diesem zu echten Weicheiern. Mich eingeschlossen. Der April ist erst halb rum und hat schon alles gegeben: Regen, Sturm, Frost, Sonne, Schnee, Hagel – und das in unregelmäßigem Wechsel.

 


 

 

Während es den Gärtner im Spätwinter und bei frostigen Temperaturen überhaupt nichts ausmacht, mit klammen Fingern Sträucher und Bäume zu beschneiden, weil es ihm auf Dauer in den vier Wänden zu langweilig wird, so möchten wir im April bitteschön Frühling, frisches Grün, Sonne, Wärme und bestenfalls ein laues Lüftchen. Zumal wir ja im März schon einen Vorgeschmack auf Frühling hatten.

 

 


 

 Es macht wirklich keinen Spaß, wenn es abwechselnd auf’s Gärtnerdekolleté (ja genau, die Stelle, die IMMER freiliegt, wenn man sich gebeugt durch’s Gartenbeet bewegt) schneit, regnet oder hagelt. Da können auch die zwischendurch mal kurz wärmenden Sonnenstrahlen nicht viel ausrichten.

 

Aber Gartenbesitzer und Gärten rufen nach Frühjahrsputz und so heißt es warm anziehen und durchhalten, bis es dann tatsächlich Frühling wird.







Sonntag, 13. Dezember 2020

Jährlich grüßt das Murmeltier - mein Garten im Dezember

 

Jedes Jahr im Dezember habe ich ein Deja-vu. Die meisten Gartenbesitzer wurden mit guten Wünschen und neuen Ideen für die kommende Saison in die Winterpause geschickt. Bienen und Blumen - bis auf wenige Ausnahmen - ruhen ebenfalls. 

Winterkirsche


Winterjasmin




 

 

 

 

 

 

 

 

Und ich? Mich packt das kalte Grausen beim Rundgang durch meinen eigenen Garten. Vorwurfsvoll klagt er mich an: "Wo warst du eigentlich die ganze Zeit?" Recht hat er, vernachlässigt wie er dasteht. Jetzt aber los, bevor es Weihnachten ist und bevor die neuen Spitzen der Frühlingsversprechen aus dem Boden wachsen. Schließlich sollen sie im März einen gebührenden ersten Auftritt haben und nicht von Unkraut und vergangenen Stauden überdeckt sein.


Also rein in die warmen Sachen und raus in den Garten. Mit Harke, Schere und Staudensichel hantierend arbeite ich mich durch die Beete. Schwitzend und mitten im Flow vergesse ich, dass eigentlich schon Winter ist. Eine Schubkarre nach der anderen füllt sich mit Schnittgut, Quecken, kriechendem Hahnenfuß, Brennnesseln und Giersch. Und der Garten atmet erleichtert auf - endlich!

 


Wie immer schaffe ich es rechtzeitig vor Weihnachten, der Kleinkunstbühne im Frühjahr den Weg zu bereiten. Und ich nehme mir vor, nächstes Jahr früher anzufangen - bis zum nächsten Dezember.

 


 


Dienstag, 4. Februar 2020

Kein Platz für Mimosen


Eier aus Freilandhaltung und Fleisch aus artgerechter Haltung liegen im Trend. Nur Pflanzen aus dem Freiland will kaum jemand haben. Warum? Weil in einem neu angelegten Beet von Blütenpracht nichts zu sehen ist und die Pflanzung ziemlich karg daherkommt: das Beet zu leer, die Pflanzen zu klein, "Sind Sie sicher, dass das hier was wird?". Da gehen wir doch lieber zum Discounter oder in den Baumarkt, wo prall gefüllte Regale mit noch praller blühenden Stauden und Gehölzen auf zahlwillige Kunden warten. 




Dass es sich hierbei um hochgezüchtete Mimosen handelt statt um tatsächlich für das Freiland geeignete Pflanzen, wissen Gartenneulinge natürlich erst, wenn sie jede Menge Lehrgeld gezahlt haben. Im Gewächshaus mit kontinuierlicher Luftfeuchtigkeit herangezogen, bis zur Halskrause gedopt mit perfekt gedüngter Erde, bekommen die schon im Spätwinter blühenden Hortensien oder sich bereits im Juni üppig zur Schau stellende Chrysanthemen einen Schlag mit der Keule. Wechselnde Temperaturen, raue Winde, pralle Sonne im Wechsel mit Starkregen sowie vergleichsweise recht magerer Gartenboden, all das sind die verweichlichten Diven doch gar nicht gewohnt.

 






Hinzu kommt vielleicht noch ein nicht ausreichendes Gärtnerwissen, sodass auch noch in Bezug auf Standort und Pflege der Kampf ums Überleben für die zart Besaiteten ziemlich aussichtslos scheint. Und tatsächlich verabschieden sich die einst so Prächtigen trotz diverser Pflegemaßnahmen und gut gemeinter Rettungsversuche schon nach kurzer Zeit für immer. Der Hobbygärtner verlässt sich natürlich auf die Beschriftung, die Winterhärte, Wüchsigkeit und absolute Freilandeignung bescheinigt. Und zweifelt an seinem Daumen, der nicht so grün zu sein scheint wie erhofft. Im Folgejahr kauft er ebensolche Gewächshausmimosen nach, um einen neuen erfolglosen Versuch zu starten. 

Zugegeben, die eher bescheiden aussehenden Pflanzen der Freilandgärtnereien haben es im Vergleich zur Fülle der Gartencenter wirklich schwer. Doch wer bei Stauden und Gehölzen auf Freilandhaltung achtet und ein wenig Geduld aufbringt, wird am Ende mit einem üppig blühenden Garten belohnt.


Dienstag, 3. Dezember 2019

Pflanzzeit im Dezember? Na klar!


 
Ab August fluten sie Gartenfeste, Gärtnereien, Bau- und sogar Supermärkte: Blumenzwiebeln in allen Größen und Variationen. Sie alle tragen ein Versprechen in sich von Farbe, Hoffnung und Leichtigkeit im kommenden Frühjahr. Und wer könnte diesem Versprechen widerstehen? Ich auch nicht. Irgendwo ist schon noch Platz für ein paar Neuzugänge.



Die perfekte Pflanzzeit im September verpasse ich aber meistens, gibt es doch noch so viel anderes zu tun. Und so warten die Zwiebeln geduldig, bis sie an der Reihe sind. Meist ist das erst im Dezember der Fall, gern kurz vor Weihnachten, denn dann wird es höchste Zeit. Wenn im Januar der Boden erst einmal gefroren ist, geht nichts mehr. 

Wenn andere ihre Adventseinkäufe starten, gilt mein Fokus den Vergessenen, Ungewollten in den Läden. Oft kann man zum Jahresende Zwiebeln von Zierlauch, Kaiserkronen und anderen Schätzen günstig erwerben. 


















Links liegen lasse ich allerdings die Zwiebeln bzw. Knollen von Schneeglöckchen und Winterling, denn diese trocknen sehr schnell aus und treiben nicht mehr. Beides kauft man am besten im Frühjahr vorgezogen im Topf und pflanzt sie dann aus. 

Schneeglöckchen und auch Märzenbecher lassen sich sehr gut aus eigenen Exemplaren vermehren. Während der Blüte werden die Horste aus dem Boden genommen, in faustgroße Stücke geteilt und an verschiedenen Stellen wieder eingesetzt. Auf diese Weise entstehen aus wenigen Exemplaren schon bald ansehnliche Bestände, die mit den Jahren auch ohne unser Zutun immer üppiger werden.

Und wem die Zwiebelpflanzung im Herbst nicht gereicht hat, der bekommt schon ab Februar vorgetriebene Pflanzen in den Gärtnereien. Damit lassen sich auch nachträglich Lücken in den Beeten gut schließen.


Sonntag, 28. April 2019

Trockenkünstler – schöner Garten trotz Durststrecken


Der Sommer 2018 hat unseren Pflanzen einiges abverlangt. Lange Trockenheit und Hitze ließen manche ganz schön alt aussehen. Noch immer ist das durchschnittliche Feuchtigkeitsniveau des Bodens nicht wieder erreicht, die Prognose für den kommenden Sommer sieht auch ziemlich trocken aus.


Statt Kraft, Zeit und Ressourcen in die Bewässerung des Gartens zu investieren, ist vielleicht eine Umgestaltung sinnvoller. Trockenheitsverträgliche Pflanzen sind gefragt. Dazu zählen nicht nur Sedum-Arten, Woll-Ziest oder andere Gewächse, denen man ihre Toleranz von Trockenheit und Hitze schon ansieht. Pflanzen, die wasserarme Phasen gut überstehen, ohne dass man ständig mit Gießkanne und Gartenschlauch hantieren muss, sind u.a.:

 
  • Taglilien
  • Funkien
  • Echinacea
  • Wolfsmilch
  • Johanniskraut
  • Bart-Iris
  • Lenzrosen
  • Felsen- Storchschnabel
  • Katzenminze
  • Lavendel
  • Ziest
  • Margerite
  • Wieseniris





Schlecht vertragen haben bei mir den trockenen Sommer Astilben, Silberkerzen, Phlox und Brauner Storchschnabel. Ob das allerdings zum Teil auch dem Umzug während Hitze und Trockenheit geschuldet ist, kann ich noch nicht sagen.

Wer wie ich nicht auf bestimmte Gartenschätze verzichten möchte, achtet bei der Pflanzung auf den richtigen Standort (Sonne, Halbschatten, Schatten, Bodenqualität) und bedeckt die freien Flächen mit Mulch, um die Bodenfeuchtigkeit zu erhalten. Gelegentliches, tiefgründiges Wässern regt das Wurzelsystem an, in tiefere Bodenbereiche zu wachsen, was eine bessere Wasserversorgung gewährleistet. Wasserhungrige Pflanzen setzt man am besten in Gruppen ins Beet, statt sie im ganzen Garten zu verteilen. Das erleichtert nicht nur die Gießarbeit ungemein, sondern wirkt auch natürlicher.

Gold- Wolfsmilch

Längere Durststrecken lassen sich mit etwas Planung und der richtigen Pflanzenwahl gut überwinden. Dann kann der Sommer ruhig kommen.

Sonntag, 4. November 2018

Wildobst – kleine Vitaminbomben mit Zierwert


Kupfer-Felsenbirne 
Bevor Zuchtformen von Brombeeren, Himbeeren & Co. in die Gärten Einzug hielten, war Wildobst nicht nur in der Naturheilkunde gefragt, sondern auch auf dem Speisezettel.

Heute besinnt man sich auf die positiven Eigenschaften der unkomplizierten Gehölze: die Sträucher haben rund ums Jahr einen hohen Zierwert, die Früchte stecken voller Vitamine und sorgen für ungewohnte Gaumenfreuden. Die oft enthaltenen Bitterstoffe sind für manchen vielleicht gewöhnungsbedürftig, lassen sich durch die richtige Zubereitungsart jedoch abmildern. Die Zugabe von Zucker, Apfeldicksaft oder Honig reduziert die Säure von Säften, Marmeladen und Eingekochtem, ohne das typische Aroma der kleinen Wilden zu überdecken.

Die Früchte von Weißdorn, Eberesche und Schlehe werden erst durch Frosteinwirkung genießbar. Ein kurzer Aufenthalt in der Tiefkühltruhe nach der Ernte ist also empfehlenswert, bevor sie weiterverarbeitet werden. Holunder sollte nur gekocht verzehrt werden, denn bei hohen Temperaturen wird das schwach giftige Sambunigrin abgebaut.

Apfelbeeren (Aronia melanocarpa) sind roh ebenfalls kein Genuss, ergeben aber eine hervorragende herb-süße Marmelade, die nicht nur als Brotaufstrich begeistert, sondern auch als Beilage zu Wild.

Frisch vom Strauch schmecken die Früchte der Felsenbirne (Amelanchier lamarckii), Kornelkirsche oder Berberitze.

Die meisten Wildobststräucher wachsen in jedem Gartenboden. Blüten, Früchte und die bei einigen Vertretern imposante Herbstfärbung machen sie für Gärten attraktiv. Außerdem sind sie wichtige Nahrungsquelle und Schutzgehölz für Bienen und Vögel. Viele Gründe also, sich die pflegeleichten Sträucher in den Garten zu holen, zum Beispiel als lockere Wildobsthecke an der Gartengrenze. Felsenbirne, Apfelbeere oder die Zuchtform des schwarzen Holunders (z. B. Sambucus nigra ‚Black Beauty’) eignen sich ebenso als Solitärgehölze.

Noch können die Sträucher gepflanzt werden, denn Baumschulen bieten jetzt günstige, wurzelnackte Ware an. Eine Laubdecke im Wurzelbereich hilft den Sträuchern durch den ersten Winter.

Feuerdorn-Marmelade: ein guter Ersatz für Sanddorn


Samstag, 27. Oktober 2018

Wohin mit dem Laub?






Mit den kühler werdenden Nächten beginnt wieder der Laubfall. Kleine und Große haben ihre Freude daran, die Farbenpracht und den Duft des Herbstes in sich aufzunehmen und durch das raschelnde Laub zu laufen. Doch nicht überall ist es willkommen. Auf Wegen zum Beispiel sollte es entfernt werden, damit der Rundgang durch den Garten nicht zur Rutschpartie wird. Dasselbe gilt natürlich für den Bürgersteig. Auch auf dem Rasen kann es nicht in Massen liegenbleiben, denn er kann unter dem faulenden Laub nicht atmen und vergilbt.




An vielen Stellen im Garten erweist sich das Laub allerdings als sehr nützlich:

Auf Staudenbeeten kann es als Winterschutz ruhig liegenbleiben. Kleintieren wie Käfern und Insekten ist es ein willkommener Unterschlupf. Durch die spätere Verrottung dient es darüber hinaus als Humuslieferant.

Rosen, Montbretien, frisch gepflanzte oder empfindliche Stauden sind dankbar für eine dicke Decke aus trockenem Herbstlaub. Bei Rosen spart man sich so sogar das Anhäufeln. Etwas Tannenreisig hält die Blätter an Ort und Stelle.
Dort, wo sehr viel gerbsäurehaltiges Laub wie z.B. von Eiche, Kastanie, Buche oder Walnuss anfällt, kann man einen Laubkompost anlegen. Dafür einfach Hasendraht im gewünschten Durchmesser zu einem Ring formen, fixieren und das Laub darin verrotten lassen. Die Rotte dauert hier länger, dafür erhält man feinkrümelige, saure, dunkle Walderde für Rhododendren, Azaleen, Hortensien und viele andere Pflanzen, die sich im Waldboden wohlfühlen. 

Kastanienlaub besser separat entsorgen.

Laub auf dem Rasen lässt sich wunderbar mit dem Rasenmäher aufsammeln. Es wird dabei gleich zerkleinert und mit dem Rasenschnitt gemischt. Die perfekte Mischung für den Kompost!

Nicht zuletzt darf in einer Gartenecke auch ruhig ein Laubhaufen liegenbleiben. Abgedeckt mit etwas Reisig nehmen Igel und Kleintiere diesen als Winterquartier gern an.