Montag, 16. Mai 2016
Freitag, 18. März 2016
Der Flow – oder: Das Glück des Gärtners
Wer selbst für das Gärtnern nichts übrig hat, wird es nie verstehen: Wie jemand sich freiwillig so viel Arbeit aufhalsen und dabei auch noch glücklich sein kann. Er hat ihn vielleicht noch nie erlebt, den Flow. Weder im Garten noch anderswo.
Der Erfinder des Flow-Phänomens Mihaly Csikszentmihalyi beschreibt den Flow als ein Gefühl, in einer Aufgabe völlig aufzugehen. Die Tätigkeit oder Erfahrung versetzt den Menschen in eine Art Rauschzustand, Wollen, Denken und Fühlen werden einzig und allein von der Tätigkeit bestimmt, alles andere wird ausgeblendet. Dieses Glücksgefühl, den Flow, zu erreichen, hat absolute Priorität, egal zu welchem Preis.
Ich brauche im Garten ungefähr eine halbe Stunde, bis ich in den Flow gerate – unabhängig davon, ob ich vorher motiviert war oder nicht. Mit der Bewegung draußen, dem Licht und Erdkontakt kommen die Gedanken in Fluss, sie kommen und gehen, bald völlig unbemerkt, und die Arbeit geht ganz allein von der Hand. Alles andere wird unwichtig und ausgeblendet. Hunger, Durst, Hitze, Kälte, Regen, Schmerzen, ja selbst ein angebrochener Fuß verlieren völlig an Bedeutung, wenn ich eins mit dem Garten werde. Und dabei spielt es keine Rolle, ob ich in meinem eigenen Garten werkele oder in einem anderen. Die Hauptsache ist nur, dass ich ungestört bin. Habe ich Gesellschaft, sei es durch Familienmitglieder oder mitgärtnernde Kundinnen, dann wird es nichts mit dem Flow.
Der Flow im Garten ist eine Droge, die zwar glücklich macht, aber ganz ohne negative Nebenwirkungen. Einmal drin, verfliegt Stunde um Stunde, ohne dass ich es merke. Und ich empfinde fast so etwas wie Trauer, wenn ich meine Arbeit beenden muss, weil andere Verpflichtungen rufen. Doch ich kann mich damit trösten, dass ich den Flow immer wieder erreichen kann, denn ein Garten ist bekanntlich niemals fertig – zum Glück!
Endlich Frühling
Mitte März soll es jetzt wohl doch endlich Frühling werden
und den Gärtner von seiner langen Wartezeit erlösen. Die Kraniche sind schon in
ihr Sommerquartier zurückgekehrt, die Schneeglöckchen und Winterlinge haben
ihren Zenith schon fast überschritten. Dafür beginnt im Garten jetzt so langsam
die blaue Stunde: Gedenkemein, Leberblümchen, Anemonen, Lungenkraut und
Märzveilchen verwöhnen uns mit Farbe, letztere sogar mit Duft.
Die Tiere gebärden sich wie verrückt,
auch sie spüren den
nahenden Frühling,
oft besser als wir.
Und die Gärtnerin? Die findet es an der Zeit für einen
gründlichen Frühjahrsputz. Im Garten versteht sich, damit die kleinen Juwelen
auch ihren großen Auftritt haben. Laub und aufkeimendes Unkraut müssen aus den
Beeten entfernt, der Winterschutz von Rosen und empfindlichen Gewächsen wie
Montbretien heruntergenommen werden. Kübelpflanzen im Winterquartier brauchen
wieder mehr Wasser.
Der erste Bärlauch ist schon erntereif und schmeckt im
Quark, als Pesto oder einfach so auf der Stulle.
Ist der Garten erst einmal aufgeräumt, geht es mit frischem
Elan an neue Projektideen, die den Winter über gereift sind. Aber auch die Muße
kommt nicht zu kurz, trotz aller Arbeit. Die Märzsonne wärmt schon gut und da
kommt ein Päuschen auf der Lieblingsbank gerade recht: Mit einem Tee in der
Hand und den warmen Sonnenstrahlen im Gesicht den Frühling willkommen heißen.
Dienstag, 26. Januar 2016
Kribbelfinger – da geht doch schon was
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| Von Winter keine Spur mehr. |
Der Winter war kurz, aber mit 15 Grad unter Null ziemlich
kalt. So kalt, dass das Trinkwasser der Hühner im geschlossenen Stall mehrmals
täglich zugefroren ist. Keine leichte Zeit für meine Mädels. Aber jetzt scheint
der Spuk schon wieder vorbei zu sein. Die letzten Reste Schnee schmelzen so
schnell, dass man dabei zusehen kann. War’s das jetzt?
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| Hier guckt schon der Frühling. |
Was mich betrifft, wächst der Tatendrang schon wieder und es
fällt mir schwer, beim Blick aus dem Fenster die Finger still zu halten. Der
Boden ist nass – sehr nass, bedingt durch Schneeschmelze und sehr viel Regen
die letzten Tage. Aber vielleicht könnte ich ja doch an den Stellen, die am
schnellsten abtrocknen, den Weg für das kommende Frühjahr bereiten?
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| Außen Pfui, innen Hui! Dreckig, aber glücklich. |
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| Wie einem drei Stunden im Garten den Tag retten können. |
Kaum gedacht, schon getan. Erst einmal die Weihnachtsdeko
aus dem Garten wieder in der Garage verstaut und dann drei kleine Beete
aufgeräumt. Und das bei kuscheligen 10 Grad über Null. Was will man mehr? Außer
frische Luft, genug Bewegung und Erdkontakt. Das ist doch der perfekte
Gute-Laune-Mix. Da werden aus einer geplanten Stunde dann schnell mal drei.
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| Aufgeräumt: Beete und Gärtnerin gleichermaßen |
Nach dem Aufräumen darf eine Runde durch den Garten nicht
fehlen. Mal sehen, wo schon vorwitzige Frühjahrsblüher aus dem Boden spitzen.
Vor den sonst leeren Beeten lassen sich prima Pläne schmieden, denn zu
verändern gibt es schließlich immer was. So kann man im Garten die Zeit
vergessen... . Nur schade, dass es so früh dunkel wird. Aber morgen ist ja auch
noch ein Tag!
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| Ob die Lenzrose weiß, dass erst Januar ist?:-)) |
Samstag, 9. Januar 2016
Winterruhe? Von wegen!
Im Januar ruhen Garten und Gärtner – so scheint es. Dabei
tobt unterirdisch das Leben, ohne dass wir etwas davon merken. Die
Zwiebelblumen gehen in Startposition für ihren großen Auftritt im Frühling, die
Schneeglöckchen schieben bereits ihr Grün aus der Erde und so manche vorwitzige
Blüte durch den Schnee. Weil sie es können. Und auch die Stauden rüsten sich
bereits für die kommende Saison.
| Helleborus foetidus - Stinkende Nieswurz |
| Frühlingsversprechen: Schneeglöckchen und Narzisse Têtê-à-Têtê |
Winterblühende Sträucher wie Duftschneeball, Winterkirsche,
Winterjasmin, Zaubernuss und Winterblüte sorgen auch bei Eis und Schnee für
Lichtblicke. Und auch unter den Stauden gibt es solche, die den winterlichen
Garten nicht leer wirken lassen. Christrosen und frühe Lenzrosen steuern zarte
Blütenschalen bei, die gern aus der Nähe betrachtet werden wollen. Immergrüne
und wintergrüne Pflanzen wie Heuchera, Pachysandra, Immergrün, Efeu und
Bergenien geben den Beeten mit ihrem Blattschmuck Struktur.
| Zaubernuss im Schnee |
| Duftschneeball |
Aber auch der Gärtner ruht nicht wirklich. Er träumt schon
von der nächsten Saison, schmiedet Pläne und erstellt Wunschlisten, welche
Pflanzen noch in seinem Garten fehlen. Ein persönlicher Gartenkalender hilft
dabei, Fehler zu beheben und notwendige Änderungen in Pflanzpläne einfließen zu
lassen, die in dieser Jahreszeit in Ruhe erstellt werden können. Egal, ob
bestehende Staudenbeete nur umgestaltet oder Beete ganz neu angelegt werden
sollen, helfen maßstabsgetreue Zeichnungen auf Millimeterpapier meist besser
als ein Computerprogramm. Auch komplett neue Projekte wie die Anlage von
Gartenteich und Bachlauf, eine Pergola, Mauern oder neue Gartenräume können in
der arbeitsarmen Zeit durchgeplant werden, damit die juckenden Finger des
Gärtners im Frühjahr genug Beschäftigung finden.
| Winterkirsche |
| Winterjasmin |
Bald trudeln auch schon die neuen Kataloge ein, die das Herz
eines jeden Gärtners höher schlagen lassen: Neue und bewährte Zierpflanzen und
Gemüsesorten, Sämereien, Deko und Gartenwerkzeuge lassen die Bestellisten lang
und länger werden. Wenn die begehrten Lieferungen zu Beginn des Frühlings
eintreffen, bedeutet das den Startschuss für die neue Saison. Es darf wieder
draußen gewerkelt werden – Gärtner und Garten blühen gleichermaßen auf.
| Rote Lenzrose |
| Christrose (Helleborus niger) |
Sonntag, 3. Januar 2016
Pflanzenportrait: Frauenmantel (Alchemilla mollis)
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Familie:
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Rosengewächse
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Herkunft:
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Afrika, Europa, Asien
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Aussehen:
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dicht buschig, 30 – 50 cm hoch und breit
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Blüte:
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Hellgelb, Grüngelb
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Blütezeit:
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Juni – Juli
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Frauenmantel wächst wild auf feuchten Wiesen, an Wegrändern,
in Gräben und an Gewässern. Feucht und halbschattig, so mag er es am liebsten.
Steht er zu schattig, blüht er weniger üppig, ist der Boden zu trocken und der
Standort zu sonnig, wächst er eher spärlich.
| Frauenmantel am Teich |
Bei uns sät er sich gern auch in sonnige Beete, aber nur
dorthin, wo der Boden genug Feuchtigkeit hat. Dort, wo er nur wenige Stunden
Sonne bekommt, ist er ein toller Partner für Steppensalbei oder
Pracht-Storchschnabel, denn die beiden kontrastierenden Blütenfarben sind ein
toller Hingucker. Pflanzen Sie noch eine rote, halbschattenverträgliche Rose in
den Hintergrund und das Bild ist perfekt.
Nach der Blüte wird der Frauenmantel ebenerdig
zurückgeschnitten, er treibt schon bald mit frischem, kräftigem Blattwerk aus
und bleibt bis zum Frost schön.
Pflanzenportrait: Eisenhut (Aconitum carmichaelii)
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Familie:
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Hahnenfußgewächse
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Herkunft:
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Gebirge der Nordhalbkugel
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Aussehen:
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Straff aufrecht, horstbildend, bis 120 cm hoch
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Blüte:
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Blau, Weiß, Blau-Weiß
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Blütezeit:
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Je nach Sorte August – November
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Eisenhut mag feuchte, nährstoffreiche Böden in
halbschattiger bis schattiger Lage. Er möchte nicht umgepflanzt werden (auch
wenn er es gut verträgt) und bedankt sich dafür über die Jahre mit stattlichen
Horsten und unendlichem Blütenreichtum.
Am richtigen Standort braucht der Eisenhut nicht viel
Pflege. Schneiden Sie ihn nach der Blüte knapp über dem Boden ab. Zu diesem
Zeitpunkt ist er dankbar für eine Lage Kompost, die ihm Kraft für das nächste
Jahr schenkt.
Eisenhut lässt sich sehr gut durch Teilung vermehren.
Stechen Sie einfach mit einem scharfen Spaten im Frühjahr oder im September ein
Stück von einem großen Horst ab und pflanzen Sie die knollig verdickten Wurzeln
an anderer Stelle ein. Als Pflanzpartner eignen sich die ebenfalls spät
blühenden Herbstanemonen, Silberkerzen, Hosta und Farne.
Eisenhut ist in allen Pflanzenteilen stark giftig! Tragen
Sie deshalb bei Pflege- und Pflanzarbeiten am besten Handschuhe. Pflanzen Sie
die Staude für Kinder unerreichbar oder verschieben Sie den Wunsch im
Zweifelsfall um ein paar Jahre.
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